15.September 2017

Christina

Vier Fragen an André M. Bajorat, Geschäftsführer der figo GmbH

Seit 1996 ist André M. Bajorat in der deutschen Internetlandschaft zu Hause und als Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Start-up- und FinTech-Umfeld aktiv. Der von ihm ins Leben gerufene Blog paymentandbanking.com befasst sich mit den Themen Banking, Payment und Mobile. Es ist eines der führenden deutschsprachigen Portale im Bereich FinTech. Seit März 2016 gibt er als Mitglied des Bitkom Hauptvorstands FinTechs eine Stimme.

Was macht figo denn genau? Wie kam es zur Idee, figo zu gründen?

figo startete ursprünglich mit einer schönen und nützlichen Banking App. 2012 verfolgte das Unternehmen also noch das Ziel, dem Nutzer das beste Mobile-Banking-Erlebnis zu bereiten. figo wollte Kunden die Möglichkeit geben, all ihre Finanzen an einem sinnvollen Ort im Blick zu haben. Auf dieser Basis hat sich figo entwickelt. Aus figo, dem Anbieter einer App, ist über eine unternehmerische Neuausrichtung Europas erster Banking Service Provider geworden. Als B2B-Anbieter ermöglichen wir Dritten durch die Einbindung unserer Technologie den Zugang zu diversen Finanzquellen. Zu Beginn haben in erster Linie Unternehmen auf unsere Lösung zurückgegriffen, die beispielsweise die Buchhaltung automatisieren, Bonitätsprüfungen vereinfachen oder den Kontowechsel zur Nebensache werden lassen. Mittlerweile zählen mehr und mehr Banken zu unseren Kunden. Sie entwickeln Produkte, die dem Nutzer Mehrwerte liefern. Diese Anwendungen lassen Banking nicht bei der Bank sondern im Alltag stattfinden, sind optisch ansprechend und meist leicht zu bedienen. Natürlich muss man an der Stelle sagen, dass uns als Unternehmen die Payment Services Directive 2 (PSD2) in die Karten spielt. Denn das, was figo seit Anfang 2014 lebt – die neue, offene Bankenwelt-, wird jetzt zum Standard und zugleich aus einer rechtlichen Grauzone befreit. Die technischen Lösungen, die wir bereits erprobt anbieten, die vor allem der Grundidee der PSD2 entsprechen, zeigen, wie vorausschauend unser Ansatz ist.

Klingt spannend. figo ist also ein FinTech, ein Start-Up aus dem Finanzbereich. Fintechs wurden noch vor ein paar Jahren überwiegend als neue Konkurrenz für die Banken gesehen. Anbieter wie figo, verstehen sich jetzt auch als Partner der Banken. Wie wird sich diese Entwicklung Ihrer Meinung nach in der Zukunft fortsetzen?

Sagen wir es mal so: Die Euphorie ist vorbei und teilweise sind auch der Naivität einiger FinTech-Unternehmen Grenzen gesetzt worden. Was wir jetzt sehen, sind Wege, gemeinsam dem Nutzer echten Komfort zu bieten und damit  erfolgreiches Business zu machen. Das wird sich verstärken, es wird aber auch weiter Bereiche geben, in denen kleine, schnelle, technikgetriebene Unternehmen den Banken voraus sein und auch als Konkurrenz wahrgenommen werden. Sehr häufig wird aber beiden Seiten klar, dass in der vertrauensvollen Zusammenarbeit der größte Mehrwert für den Nutzer liegt.Es hat sich einfach eine neue Branche entwickelt und die Finanzbranche im Allgemeinen durchlebt aktuell einen enormen Veränderungsprozess. Die Digitalisierung und ihre Folgen machen an den Pforten des Banksektors nicht mehr halt, sondern finden mittendrin statt. Ja, natürlich ist dadurch eine Situation entstanden, die für die etablierten Player am Markt neu ist. Es gibt jetzt nun mal Angebote, die vielleicht zeitgemäßer sind, die Banking zum Alltagsbegleiter machen, die beispielsweise das Überweisen von Geld in der Gruppe via Peer-to-peer-Payments vereinfachen. Das alles sind Einzelbereiche oder ausgewählte Produkte, auf die sich FinTech-Unternehmen spezialisieren. Im Grunde beobachten wir doch einen ganz “normalen” marktwirtschaftlichen Effekt: die Nachfrage nach Convenience und Anwenderfreundlichkeit steigt, also gibt es mehr und mehr Angebote – die Banken und FinTechs – auch gemeinsam – anbieten! Eine für mich absolut logische Konsequenz daraus ist: Für das optimale Ergebnis, das Beste aller Parteien in einen Topf zu werfen. Da sind also die innovativen, flexiblen FinTechs und die weniger agilen Banken, deren Vorzüge Kundenstamm und -vertrauen sind. Ich bin mir sicher, dass es solche Kooperationen auch in Zukunft geben wird und zum Teil vielleicht auch geben muss. Schließlich realisieren FinTechs und Banken zusammen Lösungen, die den eigentlichen “Angreifern” – den sogenannten GAFAs, Plattformen wie Google, Amazon, Facebook und Apple – den Einstieg ins Ökosystem erschweren.

Was ist von der neuen EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD 2, die momentan in der Presse stark diskutiert wird, zu erwarten? Um was geht es denn bei der Richtlinie überhaupt genau?

Bei der Payment Services Directive 2 geht es in den Grundzügen darum, den Wettbewerb neben den Banken zu fördern und eine bis dato maximal geschlossene Systemlandschaft zu öffnen – und das europaweit! Der Nutzer soll die einfache Möglichkeit bekommen, seine eigenen Bankkonten – also seine eigenen Bankdaten – souverän und eigenverantwortlich auch in Angeboten und Diensten von sogenannten Dritten nutzen zu können. Und das selbstverständlich auf einem sinnvollen Sicherheitslevel in einem nachvollziehbaren Haftungskonstrukt. Man kann sagen, dass die für den Nutzer spürbare Konsequenz ist, dass er die Freiheit bekommt, selbst entscheiden zu können, in welchem Kontext und in welchem Rahmen er Banking für sich stattfinden lassen möchte. In der Praxis ist es die PSD2-Vorgabe ‘Access to Account’ (XS2A), die Banken zur Öffnung verpflichtet und zugleich Dritten den Zugang gestattet. Sie müssen also eine Schnittstelle zur Verfügung stellen, die es Dritten ermöglicht, auf die Bankdaten ihrer Kunden zugreifen zu können. Möchte also beispielsweise jemand fymio nutzen und Konten integrieren, muss es nach Zustimmung des fymio Nutzers möglich sein, auf eben diese Kontoinformationen bei allen europäischen Banken zugreifen zu können. Den technischen Prozess dahinter übernehmen im Hier und Jetzt Anbieter wie figo. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären: figo basiert auf einer Technologie, die bereits etabliert ist und das kann, was die PSD2 jetzt fordert.

Ganz allgemein: Wie gefällt Ihnen die fymio-App? Nutzen Sie diese auch privat?

Ich habe die fymio App natürlich getestet. Das mache ich mit fast allen Produkten der figo Partner. Denn nur dann kann ich das Produkt wirklich verstehen und mir eine Meinung darüber bilden. fymio hat einen spannenden Ansatz, der über das Thema Multibanking hinausgeht und dieses mit einem ansprechenden Design paart. Die App hat eine benutzerfreundliche Oberfläche und gibt mir schnell eine Einschätzung darüber, wie es um meine finanzielle Gesamtsituation steht. Wunsch und Realität kommen hier zusammen. Die App sagt mir nach Auswertung meiner Finanzen, ob ich mir bestimmte Ausgaben überhaupt und unter welchen Bedingungen leisten kann. Damit hat man natürlich eine erste wichtige Basis gelegt. Ich bin gespannt, um welche zusätzlichen Funktionen die App zukünftig noch erweitert wird. Denn eines ist klar: Auch viele Wettbewerber werden den neu geschaffenen Kundenzugang über PSD 2 für sich entdecken und für ihre Anwendungen nutzen.

Über figo:
figo ist die Grundlage für das Open-Banking der Zukunft und ist der verlässliche Lösungsanbieter für alle die, die Banking in den passenden Kontext bringen wollen. Nutzer bestehen auf Anwenderfreundlichkeit, erkennen den Mehrwert kontextbezogenen Bankings und bekommen die Freiheit, selbst entscheiden zu können, in welchem Service außerhalb der klassischen Bankenwelt sie ihre Bankdaten nutzen wollen. Die scheinbar untrennbare Verbindung von Banking und Bank löst sich auf! An der Stelle kommt figo als Europas 1. Banking Service Provider ins Spiel. Das B2B-Unternehmen steht wie kaum ein anderes für die neue offene Bankenwelt. Die Payment Services Directive 2 (PSD2) unterstreicht das Erfolgskonzept. Denn ein Aspekt der neuen EU-Richtlinie ist die Vorgabe ‚Access to Account’ (XS2A), die Banken dazu verpflichtet, Bankdaten auch sog. Dritten zugänglich zu machen. figo liefert die technische Lösung zur Erfüllung von XS2A, die Banken europaweit nutzen können und nicht selbst entwickeln müssen. Außerdem setzen Banken die figo Technologie ein, um selbst innovative Produkte zu realisieren. Die Kombination von Technik, Regulierung und Community bestimmt die strategische Ausrichtung. Denn figo ist auf dem Weg, eines der ersten regulierten FinTechs im Rahmen der PSD2 zu werden. Ziel ist in diesem Zusammenhang, für nicht-regulierte Unternehmen die Funktion des regulierten Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienstleisters zu übernehmen und ein verlässlicher Auslagerungspartner für regulierte Unternehmen zu sein.